Mehr Dorf.Leben.Reith

Bürgermeister Stefan Jöchl will möglichst viele seiner Bewohner in die Dorfentwicklung einbinden.

Die ersten Schritte sind bereits getan. In Reith bei Kitzbühel startet in Kürze ein Dorferneuerungsprozess. Dabei will die Gemeinde die wichtigsten Themen für den Ort für die nächsten Jahre aufgleisen. Egal ob Wohnen, Verkehr oder das soziale Miteinander – die Menschen sollen selbst werten, was ihnen wichtig ist. „Das Motto lautet ‚Mehr Dorf.Leben.Reith‘. Das ist die verbindende Einheit. Es geht uns darum, ein aktives Dorf zu bleiben. Das heißt, dass wir auch kritische Themen ansprechen werden“, fasst Bürgermeister Stefan Jöchl zusammen. Innerhalb des Jahres 2019 soll der Prozess erledigt sein. Oberstes Ziel: Umsetzbare Konzepte.

„Die Grundidee verfolgt uns schon länger. Im Herbst hat sich der Gemeinderat für die Durchführung eines solchen Prozesses unter massiver Einbindung der Bevölkerung entschieden. Wobei ich nicht verhehlen will, dass wir klare Vorgaben gestellt haben“, erklärt Bürgermeister Jöchl. Eine davon: Es darf in jedem Fall kein Schubladenpapier werden. „Wir haben jetzt in einem ersten Schritt ein Lenkungsteam aus Mitgliedern des Gemeinderats definiert und schon am ersten Punkt für die Bevölkerung gearbeitet. Denn wir wollen zuerst von ihnen Wissen, welche Themenbereiche besonders wichtig sind. Deswegen sind alle Wahlberechtigten aufgerufen, an einer Befragung teilzunehmen“, so Jöchl. Die Befragung ist anonym und soll jene Themen einkreisen, die besonders wichtig für die weitere Dorfentwicklung erscheinen. 15 Gebiete stehen zur Auswahl. Die Teilnehmer haben die Aufgabe, ihre Anliegen zu priorisieren. Die Aussendung der Fragebögen folgt in den nächsten Wochen. „Mittels Rücksendekuvert können die Ergebnisse zur Auswertung abgegeben werden. Auch eine digitale Teilnahme ist möglich“, sagt Stefan Jöchl. Danach geht es Schlag auf Schlag. Anfang April werden die Ergebnisse in einem Dorfabend präsentiert, wo auch gleich an den Inhalten gearbeitet wird. Danach starten Arbeitskreise, wo Bürgerinnen und Bürger per Zufallsprinzip eingeladen werden mitzudiskutieren. „Geht alles glatt, soll bereits im Oktober ein Schlusspapier vorliegen, dass uns im Gemeinderat zur weiteren Bearbeitung und Umsetzung vorgelegt wird“, erklärt der Bürgermeister und fügt an: „Je konkreter, je besser. Die Leute sollen spüren, dass ihre Ideen im Ort wirken.“

Prozessbegleitung durch die GemNova

Begleitet wird der gesamte Prozess, der mit Mitteln des Landes Tirol unterstützt wird, von der GemNova. Verantwortlich dafür ist Magnus Gratl aus dem Bereich Gemeindeentwicklung. „Den Schritt, die Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubinden, muss man der Gemeinde hoch anrechnen. Oft besteht die Meinung, dass im Gemeinderat eh alle Anliegen bekannt sind. Aber bei einem Beteiligungsprozess geht es um Alltagssorgen und -nöte, vor allem aber um eine zukünftige Entwicklung. Oft sind es die kleinen Dinge, nicht die großen Bauprojekte, die den Menschen ein besonderes Anliegen sind“, sagt Prozessbegleiter Magnus Gratl. Wichtig ist, dass bei einem solchen Prozess die Inhalte und Ergebnisse transparent sind. „Alle Schritte werden dokumentiert und sind einsehbar. Wir haben deswegen auch eine Homepage installiert, die mit der Aussendung der Befragung unter www.mehr-reith.eu online gehen wird“, führt Gratl aus. Nachdem ein wesentlicher Punkt das Zusammenleben im Dorf an sich ist, werden neben den klassischen Arbeitsgruppen auch spezielle Vernetzungstreffen stattfinden. „Wir wollen Vereine, junge und ältere Menschen, aber auch die Zweitwohnsitzler einbinden. Das Angebot ist da, es muss nur angenommen werden“, unterstreicht Magnus Gratl. Auch für ihn sind umsetzbare Ergebnisse am wichtigsten: „Am schlimmsten sind jene Prozesse, die hohe Erwartungen wecken und dann in der Schublade enden.“ In der Prozessbegleitung arbeitet die GemNova auch mit Architekt Paul Burgstaller, QNA zusammen. Damit deckt man viele weitere Bereiche ab. Und viele Themen gibt es. „Das hat schon die Erstellung des Fragebogens gezeigt. Wir sind schon auf die Teilnahme und die Ergebnisse gespannt“, schließt Bürgermeister Stefan Jöchl.

Vizebürgermeister Josef Rehbichler, GR Tina Behr, Bürgermeister Stefan Jöchl und Prozessbegleiter Magnus Gratl (GemNova) freuen sich auf den Auftakt zum Dorferneuerungsprozess

Bildnachweis: GemNova